Einleitung
Holz ist einer der ältesten Werk- und Baustoffe überhaupt. Gleichzeitig war seine Wahrnehmung zu Beginn der 2000er-Jahre vielfach noch von traditionellen Bildern geprägt: Holz wurde als natürlich und sympathisch wahrgenommen, jedoch nicht unbedingt als modern, innovativ oder technologisch. Genau hier setzte die Kommunikation des Holzabsatzfonds in Bonn an.
Das Ziel bestand darin, die Wahrnehmung des Rohstoffs Holz in der breiten Öffentlichkeit nachhaltig zu verändern und seine ästhetischen, technischen, wirtschaftlichen und ökologischen Qualitäten zeitgemäß zu vermitteln.
prahl_recke entwickelte und realisierte dafür zentrale Marketing- und Kommunikationsmaßnahmen – von der strategischen Positionierung über aufmerksamkeitsstarke Kampagnen bis hin zu hochwertigen Publikationen.
Im Mittelpunkt stand dabei die Frage:
Wie lässt sich ein seit Jahrhunderten bekannter Werkstoff so kommunizieren, dass Menschen ihn neu wahrnehmen?
Ergebnisse im Überblick
Die Kommunikation für den Holzabsatzfonds entwickelte sich zu einer umfassenden Image- und Awareness-Kampagne für den Rohstoff Holz.
Ausgangssituation
Holz verfügte bereits über ein grundsätzlich positives Image. Eigenschaften wie Natürlichkeit, Wohnlichkeit und Nachhaltigkeit waren fest mit dem Werkstoff verbunden. Gleichzeitig bestanden jedoch Wahrnehmungsmuster, die der tatsächlichen Leistungsfähigkeit des Materials nicht gerecht wurden.
Holz wurde teilweise noch mit folgenden Aspekten in Verbindung gebracht:
- traditionellen Bauweisen
- rustikaler Gestaltung
- eingeschränkten Einsatzmöglichkeiten
- Vorbehalten gegenüber technischen Eigenschaften
- einer starken Konzentration auf ökologische Argumente
Moderne Holzarchitektur, industrielle Fertigung, kurze Bauzeiten oder die technologischen Möglichkeiten des Werkstoffs waren dagegen in der breiten Öffentlichkeit deutlich weniger präsent. Die Herausforderung bestand deshalb nicht darin, Holz überhaupt bekannt zu machen. Die Aufgabe war anspruchsvoller:
Ein vertrautes Material musste neu erzählt werden.
Strategie & Umsetzung
Um die Wahrnehmung nachhaltig zu verändern, wurde keine einzelne Werbebotschaft entwickelt, sondern eine übergreifende Kommunikationsstrategie. Das Ziel bestand darin, die unterschiedlichen Eigenschaften von Holz auf eine emotionale, verständliche und gleichzeitig überraschende Weise zu vermitteln.
Eine neue Sprache für einen traditionellen Werkstoff
Im Mittelpunkt stand eine einfache Kampagnenlogik:
Holz ist sexy.
Holz ist schnell.
Holz ist schlau.
Die Begriffe waren bewusst ungewöhnlich gewählt. Sie brachten zentrale Eigenschaften des Werkstoffs auf eine emotionale und leicht merkfähige Ebene.
„Holz ist sexy“
Hier standen Ästhetik, Gestaltung und Emotionalität im Mittelpunkt. Holz wurde als hochwertiges Material für Architektur, Interior Design und anspruchsvolle Gestaltung präsentiert. Damit sollte deutlich werden: Holz ist nicht nur natürlich, sondern kann auch ausgesprochen modern und attraktiv sein.
„Holz ist schnell“
Dieser Kampagnenbaustein stellte die konstruktiven und wirtschaftlichen Vorteile in den Vordergrund. Holzbau ermöglicht unter anderem einen hohen Vorfertigungsgrad und damit kurze Bau- und Montagezeiten. So wurde aus einem vermeintlich traditionellen Baustoff ein Material für moderne und effiziente Bauprozesse.
„Holz ist schlau“
Hier rückten funktionale, technische und ökologische Qualitäten in den Mittelpunkt. Holz verbindet Eigenschaften, die angesichts heutiger Anforderungen an nachhaltiges und ressourcenschonendes Bauen zunehmend relevant sind. Die Kommunikation machte deutlich: Holz ist nicht nur schön und natürlich, sondern auch ein intelligenter Werkstoff mit vielfältigen Einsatzmöglichkeiten.
„Natürlich Holz. Allem gewachsen.“
Die einzelnen Kommunikationsmaßnahmen wurden in die übergeordnete Positionierung „Natürlich Holz. Allem gewachsen.“ eingebettet. Dadurch entstand eine kommunikative Klammer, die emotionale und rationale Argumente miteinander verband. Der Werkstoff sollte nicht nur über seine Nachhaltigkeit positioniert werden, sondern über seine gesamte Leistungsfähigkeit positioniert werden.
Integrierte Kommunikation als Erfolgsfaktor
Ein zentraler Bestandteil der Strategie war die medienübergreifende Umsetzung. Die Botschaften wurden nicht isoliert eingesetzt, sondern über verschiedene Kommunikationsmaßnahmen hinweg eingesetzt. Dazu gehörten unter anderem:
- Kampagnenentwicklung
- Anzeigenkommunikation
- Publikationen
- Informationsmedien
- redaktionelle Formate
- Kommunikationsmittel für unterschiedliche Zielgruppen
- Corporate Publishing
Dadurch entstand ein konsistentes Gesamtbild. Holz wurde nicht punktuell beworben, sondern als Thema kontinuierlich und aus immer neuen Perspektiven inszeniert.
„splint – Das Magazin für Holzkultur“
Ein besonderes Element der Kommunikation war das Magazin „splint – Das Magazin für Holzkultur“. Die Publikation war bewusst nicht als klassische Verbands- oder Informationszeitschrift konzipiert. Stattdessen entstand ein eigenständiges Magazin, das Holz mit Themen aus unterschiedlichen Lebens- und Gestaltungsbereichen verband. Dazu gehörten unter anderem:
- Architektur
- Design
- Technik
- Kultur
- Lifestyle
- Gesellschaft
- Innovation
Auch die redaktionelle Struktur griff die Kampagnenidee auf. Holz ist sexy. Holz ist schnell. Holz ist schlau. Dadurch wurden Kampagne und Corporate Publishing konsequent miteinander verbunden.
Corporate Publishing mit journalistischem Anspruch
„splint“ sollte jedoch nicht wie klassische Unternehmenskommunikation wirken. Der Anspruch bestand vielmehr darin, ein Magazin zu entwickeln, das auch unabhängig vom Absender interessante Inhalte bietet. Das bedeutete:
- eigenständige Themen
- überraschende Perspektiven
- hochwertige Fotografie und Gestaltung
- journalistische Beiträge
- abwechslungsreiche redaktionelle Formate
So wurde Holz nicht nur erklärt. Der Werkstoff wurde kulturell, gestalterisch und gesellschaftlich inszeniert.
Auszeichnung für „splint“
Die Qualität des Konzepts wurde auch von externer Seite bestätigt.
„splint 2 – Das Magazin für Holzkultur“ erhielt beim Best of Corporate Publishing Award 2007 die Auszeichnung Silber.
Damit wurde insbesondere das Zusammenspiel aus redaktioneller Idee und Gestaltung gewürdigt. Die Auszeichnung unterstreicht einen wichtigen Aspekt der gesamten Kommunikation: Corporate Publishing wurde nicht als ergänzendes Informationsmedium, sondern als eigenständiges strategisches Instrument der Marken- und Imagebildung verstanden.

Zielgruppenverständnis als Erfolgsfaktor
Eine besondere Herausforderung des Projekts war die Breite der Zielgruppen. Die Kommunikation richtete sich nicht ausschließlich an Fachleute aus den Bereichen Forstwirtschaft, Holzindustrie oder Architektur. Vielmehr war entscheidend, Holz in der breiten Öffentlichkeit stärker zu positionieren. Die Kommunikation musste deshalb gleichzeitig:
- verständlich sein
- überraschen
- emotionalisieren
- Fachinformationen reduzieren, ohne oberflächlich zu werden
- unterschiedliche Nutzungssituationen von Holz zeigen
- neue Assoziationen mit dem Material schaffen
Gerade deshalb war eine einfache und prägnante Kampagnenlogik entscheidend. „Sexy. Schnell. Schlau.“ funktionierte unabhängig vom jeweiligen Kommunikationskanal und ließ sich mit sehr unterschiedlichen Themen verbinden.
Warum dieses Projekt erfolgreich war
Der Erfolg basierte auf mehreren miteinander verbundenen Faktoren.
Learnings aus dem Projekt
Aus der Arbeit für den Holzabsatzfonds lassen sich auch heute noch zentrale Erkenntnisse für Marken- und Unternehmenskommunikation ableiten:
- Auch vertraute Produkte und Themen lassen sich neu positionieren.
- Gute Kommunikation übersetzt komplexe Eigenschaften in einfache Botschaften.
- Überraschung erhöht Aufmerksamkeit und Erinnerungswirkung.
- Imageveränderung braucht eine klare strategische Klammer.
- Unterschiedliche Kommunikationskanäle müssen eine gemeinsame Geschichte erzählen.
- Corporate Publishing kann ein wirkungsvolles Instrument zur langfristigen Markenbildung sein.
- Gestaltung und Redaktion entfalten ihre größte Wirkung, wenn sie aus einer gemeinsamen Strategie heraus entwickelt werden.
Fazit
Die Arbeit für den Holzabsatzfonds zeigt, wie Kommunikation dazu beitragen kann, die Wahrnehmung eines ganzen Werkstoffs verändern kann. Die zentrale Herausforderung bestand nicht darin, Holz bekannt zu machen. Holz war jedem bekannt.
Die Aufgabe war es, Holz anders sehen zu lassen.
Dies gelang mit einer klaren Positionierung und der überraschenden Kampagnenidee „Holz ist sexy. Holz ist schnell. Holz ist schlau.“ Es entstand eine Kommunikationswelt, die traditionelle Wahrnehmungsmuster bewusst aufbrach. Aus heutiger Sicht ist besonders bemerkenswert, dass das Thema noch immer aktuell ist. Nachhaltiges Bauen, nachwachsende Rohstoffe, Holzarchitektur und Ressourceneffizienz sind Themen, die Bauwirtschaft, Politik und Gesellschaft heute intensiver denn je beschäftigen.
Viele Themen, die damals kommunikativ neu positioniert werden mussten, stehen heute im Zentrum der Diskussion über das Bauen der Zukunft. Die wichtigste Erkenntnis aus diesem Projekt lautet deshalb:
Starke Kommunikation beschreibt nicht nur, was ein Produkt oder Material kann. Sie kann auch verändern, wie wir darüber denken.
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